Tina Husemann | Ein alter Hund – das schlechte Gewissen
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Ein alter Hund – das schlechte Gewissen

Alt zu werden ist kein Zuckerschlecken. Das sehe ich jetzt auch ein. Dabei geht es jetzt gar nicht um mich, sondern um unseren Hund.

Unser älterer Hund ist inzwischen 18 Jahre alt – wobei er als Fundhund vielleicht auch ein paar Monate mehr auf dem Buckel hat. Wir lieben diesen Hund. Doch meine Liebe nimmt jeden Morgen rapide ab, wenn mein Wecker klingelt. Dann liegt eine Nacht hinter mir, in der ich vielleicht zwei oder dreimal aufgestanden bin, um der schwächelnden Blase den Weg in den Garten zu ermöglichen. Über den Tag jongliere ich dann das Bedürfnis unseres alten Hundes mit dem unserer jungen Hündin. Der eine hat es gerne gemütlich, die andere liebt es flott und impulsiv.

Mann, Haus und Magen wollen versorgt werden, das Marketing und Angebote für meine Arbeit wollen durchdacht und vor allem erarbeitet werden und dann – ach ja – dann kommen auch Menschen zu mir, die ich auf ihrem Weg unterstützen darf. (Was ich genauso liebe wie unsere Hunde.)

Spätestens mittags ist die Müdigkeit Chef in meinem Körper. Ein ziemlich lauter Chef.

Und dann kommt dieser Moment, wo ich mich frage … Wie kann ich das schaffen? Geht’s noch? Muss es die Freiberuflichkeit sein? Muss es ein Hund sein? Muss es ein Haus mit Garten sein? Muss es sein, den Impulsen für neue Dinge zu folgen?

Und wenn ich darüber nachdenke und ehrlich bin, lautet meine Antwort : JA!

Aber es muss vielleicht nicht immer alles auf einmal sein. Gerne würde ich alles an einem Tag perfekt jonglieren – ohne, dass etwas runterfällt, aber einzusehen, dass das nicht geht und das es auch in Ordnung ist, dass das nicht geht, verschafft mir dann wieder Erleichterung und innerlich Raum und Frieden. Dinge verschieben sich, Prioritäten ändern sich. Jetzt ist unser alter Hund einfach wichtig. Auch wenn es anstrengend ist. Er hat uns einen langen Zeitraum so viel Freude mit seiner Lebendigkeit bereitet, dass wir nun unser Leben – inkl. der Urlaubsplanung – um ihn herum stricken. So dass er – so oft wie möglich – mit uns zusammen sein kann.

Schaue ich dann in seine Augen und sehe diese runden Knopfaugen, dann ist auch mein Ärger über das nächtliche Aufstehen verflogen. Dann mache ich halt mal eine Mittagsmeditation – ganz nach Philipp Starck, der jeden Tag ein Mittagsschläfchen hielt und sich über seine zwei Tage am Tag freute.