Angst vor dem Alleinsein – verstehen, regulieren und sanft lösen

So kannst du dir helfen bei Angst und Panikattacken

Viele Menschen erleben Angst vor dem Alleinsein – selbst dann, wenn sie in Beziehungen stehen oder ihr Leben insgesamt als stabil empfinden. Diese Angst zeigt sich oft plötzlich im Körper: als Unruhe, Enge oder innere Alarmbereitschaft.

In diesem Beitrag erfährst du, wie die Angst vor dem Alleinsein entsteht, warum sie so intensiv sein kann und wie du dein Nervensystem sanft dabei unterstützen kannst, wieder mehr innere Stabilität zu finden.

Was ist die Angst vor dem Alleinsein?

Die Angst vor dem Alleinsein beschreibt einen Zustand innerer Bedrohung, der entsteht, wenn keine vertraute Bezugsperson verfügbar ist – selbst dann, wenn objektiv keine Gefahr besteht. Sie zeigt sich nicht nur emotional, sondern vor allem körperlich und nervlich.

Wie zeigt sich die Angst vor dem Alleinsein?

Innere Unruhe, Spannungsgefühle, Selbstzweifel und die Angst, abgelehnt zu werden sind Symptome der Angst vor dem Alleinsein. 

Bevor wir zu regulierenden und stärkenden Übungen kommen, möchte ich dir kurz erklären, warum diese Angst oft so intensiv erlebt wird.

Ursachen der Angst vor dem Alleinsein – eine Perspektive aus Bindungs- und Nervensystem

Kinder lernen um das zweite Lebensjahr herum den Unterschied von Du und Ich. Und sie lernen dabei auch, dass eine Verbindung bleibt, obwohl die Bindungsperson nicht sichtbar ist. 

Dieser Prozess beginnt z.B. damit, dass die Bezugsperson den Raum verlässt und nach kurzer Zeit wieder da ist. Während die Person für das Kind nicht mehr wahrnehmbar ist, wird das Nervensystem des Kindes aktiviert. Es bekommt Stress, weil die Verbindung existenziell für das Kind ist und das Nervensystem auf Gefahr reagiert, wenn diese Verbindung gefährdet sein könnte. 

Das Kind macht sich bemerkbar mit diesem Stress. Es könnte weinen oder rufen. Wenn die Bezugsperson, zurückkommt und darauf freundlich, tröstend und somit regulierend reagiert, lernt das Kind, dass trotz der Abwesenheit die Bindungsperson noch immer da ist. 

Wird aber auf den Stress des Kindes gar nicht reagiert oder das Kind bestraft für sein rufen und weinen, indem man es anschreit, zurechtweist oder emotional ignoriert, dann entwickelt das Kind eine Überzeugung, dass eine Verbindung nur dann sicher ist, wenn es die Person auch wirklich sieht und erleben kann. 

Das Nervensystem hat das Gefühl der Sicherheit und Verbundenheit nur mit der physischen Präsenz einer Person gespeichert.

Angst vor dem Alleinsein ist nicht dasselbe wie Einsamkeit

Einsamkeit beschreibt einen Zustand, in dem die reale Verbindung fehlt oder als mangelhaft erlebt wird.

Die Angst vor dem Alleinsein hingegen ist eine im Nervensystem gespeicherte Alarmreaktion. Sie kann auch dann auftreten, wenn objektiv Beziehungen vorhanden sind. Der Körper reagiert dabei auf alte, unvollständig regulierte Stress- und Bindungserfahrungen.

Was hilft bei Angst vor dem Alleinsein wirklich?

Eigentlich ist es gar nicht die Angst vor dem Alleinsein, die so viel Stress auslöst, sondern die Angst, vor den damit verbunden Gefühls- und Körperzuständen.

In diesen verknüpften Zuständen ist viel Überlebensenergie aus der Kindheit gebunden, die es nun zunächst einmal zu lösen gilt.

Dabei kann die traumasensible Klopfakupressur eine große Hilfe sein. Du könntest zum Beispiel erforschen, welche Gefühle und Körperzustände es sind, die dir so unangenehm sind und damit beginnen zu klopfen. Ein möglicher Einstieg könnte sein: 

  • Auch wenn ich Angst habe vor dem Alleinsein, weil ich das Gefühl …. so bedrohlich erlebe, achte ich mich damit und wähle in diesem Augenblick, mit meiner Energie in meinem Körper zu bleiben.
  • Ich achte die Anteile, die damals so viel Stress erlebt haben und sich ganz verlassen fühlten.
  • Ich bleibe an ihrer Seite, ich bin mitfühlend und ich erlaube ihnen, sich jetzt einfach mal zu zeigen, wenn sie wollen.

Und dann achtest du besonders auf die Körperreaktionen und klopfst damit: 

  • auch wenn mein Hals eng wird, bleibe ich mit meiner Energie im Körper und bin in Sicherheit
  • auch wenn ich Herzrasen bekomme, bin ich an meiner Seite

In dieser Klopfrunde kannst Du auch mit mir zusammen klopfen, klick einfach auf das Bild

das hilft, wenn es dir Angst macht allein zu sein

Weitere regulierende Möglichkeiten:

Nimm dir eine Decke, hülle dich fest darin ein, umarme dich mit der Decke in den Händen, umfasse auch gerne deine angewinkelten Knie und halte dich für einige Atemzüge. 

Das Atmen und umarmen, eventuell ein Schaukeln oder Bewegen findet mit der Intention statt,

Ich bleibe mit meinen jüngeren Anteilen verbunden, die sich so allein gefühlt haben. Ich bin jetzt da. 

Es können Tränen fließen, vielleicht kommt ein Bedürfnis nach Schreien oder Rufen auf oder es kommen andere Gefühlszustände hoch. Es einfach nur zuzulassen und zu beobachten kann helfen, die darin gebundene Energie zu lösen. 

Wann Unterstützung wichtig ist

Wenn du merkst, dass dieser Zustand dich überwältigt hole dir Unterstützung für diesen Prozess. 

Selbstreflexion – Schreiben als Unterstützung bei Angst vor dem Alleinsein: 

Deine Gedanken niederzuschreiben kann eine gute Möglichkeit sein, Unbewusstes bewusst zu machen. Suche dabei nicht nach Lösungen oder Erklärungen, sondern bleibe dabei, einfach nur zu notieren, was dir in den Sinn kommt. Oft helfen dabei Startsätze wie: 

  • Ich beobachte mit meiner Angst vor dem Allein sein in meinem Körper…. 
  • Wenn ich Angst habe zeigt sich auch ein Gefühl von …. 
  • Wenn ich Angst vor dem Alleinsein habe denke ich von mir…. 

Und natürlich kannst du diese Antworten wiederum nutzen, die Energie, die damit verbunden ist mit Hilfe des Klopfens wieder zu lösen. 

Angst vor dem Alleinsein als Wegweiser verstehen

Stelle dir vor, dass deine Angst ein Hinweis ist auf Erinnerungen, die mit zu viel Spannung, Unsicherheit und Druck verbunden sind. Dein Körper hat ein natürliches Bedürfnis, Überspannung im Nervensystem lösen zu wollen.  Weil Angst diese Überspannung verstärkt überlege doch mal,  wie es wäre, wenn du immer dann, wenn du Angst empfindest in die bewusst in die Haltung wechselst: 

Oh, da zeigt sich wieder ein Teil von großer Spannung. Was kann ich diesem Anteil jetzt Gutes tun, um diese Spannung lösen zu können?

Und natürlich ist jede traumasensible Klopfrunde eine tolle Möglichkeit, die Spannung im Nervensystem zu lösen und die damit verbundenen emotionalen und körperlichen Gefühle zu regulieren.

Du musst nichts „wegmachen“.

Allein dein achtsames Dasein mit dem, was sich zeigt, kann bereits ein erster Schritt sein zu mehr innerer Stabilität.

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